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Eine Auflösung ökonomischer „Paradoxien”

Intuitive Vermutung  (Laiensicht) Makroökonomische Realität Grund
„Arbeit und Kapital erkämpfen sich ihre Faktor­anteile als Lohn und Profit” Profit ist kein Faktoreinkommen, ist von beiden fast unbe­ein­fluss­bar außer per Net­to­inve­sti­tion+Ge­winn­ausschüt­tung Gewinn des Firmensektors beruht wesent­lich auf Ver­schul­den anderer Sektoren. Einzelwirt­schaft­liche Effekte wirken nicht
„Produktivitäts­steigerungen erhöhen den Gewinn” Sie steigern nur das Wirtschafts­wachs­tum Sie haben keinerlei Be­zug zum Gesamt­gewinn des Unter­neh­mens­sektors
„Der Mindestlohn erhöht die Kosten ⇒  Entlassungen sparen Kosten” EKHs „Beschäf­tigungs­gesetz”: Min­dest­lohn­an­stieg allein erhöht Be­schäf­tigung Rückkopplung über den Beschäf­tigungs­mul­ti­pli­kator (Keynes­+EKH) im Kreis­lauf
„Monopole oder Ausbeutung erhöhen den Gewinn der Unter­nehmen” Sie bewirken keine Erhöhung des Ge­samt­gewinns des Unter­nehmens­sektors Sie wirken nur auf die Aufteilung des Ge­samt­gewinns, nicht die Höhe
„Die realen Größen Lohn­satz, Preisge­stal­tung, Pro­duk­tivi­tät und Arbeits­leis­tung beein­flussen den Gewinn” Lohnsatz, Preisge­staltung, Produk­tivität und Arbeits­leistung haben keinen Ein­fluss auf den Gesamt­gewinn des Unter­nehmens­sek­tors (EKH, 2016) Der Gesamt­gewinn entsteht rein mo­ne­tär im Geld­kreislauf.  Die genannten Größen beein­flussen nur den Anteil eines Unter­nehmens am Ge­samt­gewinn
„Lohnsenkungen und Billig-Jobs schaf­fen mehr Ar­beits­plätze” Stattdessen sen­ken sie die Nach­frage und beför­dern damit Entlas­sungen Über benötigte Arbeits­leistungen entschie­det der Pro­dukt­markt per Preis­mecha­nismus — nicht der Arbeits­markt
„Die Bindung der Arbeitslosen­hilfe an das Fordern von regel­mäßigen Be­wer­bungen und Arbeits­an­nah­me­zwang verrin­gern die Zahl der Ar­beits­losen” Arbeitsmarkt-Maßnahmen der Ar­beits­agen­turen sind wirkungs­los ver­schleu­dertes Geld. Außerdem belas­ten sie die Wirt­schaft mit zusätz­licher Büro­kratie Eventuelle lokale Erfolge solcher Maß­nah­men heben sich durch Entlas­sungen an anderer Stelle auf. Das ändert sich allen­falls nahe der Vollbe­schäf­ti­gung
„Der Staat oder die Rentenver­siche­rung können für später sparen, indem sie Geld zurück­legen” Das geht nicht in gesamt­wirt­schaft­li­cher Dimension oder für län­gere Zeit­räume (Macken­roth-Theorem) Es ist kein Sparen, sondern Wert­ver­nich­tung. Nötig ist eine Kette aus Schuld­ver­hält­nissen oder der „Gene­ratio­nenver­trag”
„Es herrscht eine Gleich­gewichts­ten­denz zum Schnitt­punkt einer Ange­bots- mit einer Nach­frage­kurve” Eine solche Tendenz gibt es in der Ma­kro­öko­no­mie nicht, und der Gleich­ge­wichts­punkt ist allen unbe­kannt Zwar gibt es Gesamt­angebot und Gesamt­nach­frage, aber sie folgen keinen gesamt­wirt­schaft­lich definier­baren Funk­tionen
„Preise spie­geln die Nutzen- bzw. Grenz­nutzen-Verhält­nisse wieder” Die Makroökono­mie kennt weder Nutzen noch Grenz­nutzen. Das Preis­niveau bildet sich gemäß Preis­mecha­nismus aus Lohn­satz und Produk­tivität Nutzenfunktionen sind nicht messbar, ge­hören ins Reich der bloßen Vermu­tun­gen und sind — über Indivi­duen hinaus — auch mathe­matisch unde­finiert

 EKH = Egmont Kakarot-Handtke, Universität Stuttgart Zur Startseite: http://www.fuhlrott.eu/index.html

Oskar Fuhlrott,