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Corona-Pandemie: Modelle der Ausbreitungsvorhersage

Reaktion wie bei einer Grippe-Epidemie?

„Weißbluten” der Bevölkerung als Strategie?

Entschleunigung der Ausbreitung durch Distanzbildung und -wahrung

Gefährlichkeit einiger Viren

Grundmodell exponentieller Ausbreitung

Modell reduzierter Kontakte

Farbcode der Knotentypen

Rückwärtsermittlung und Vorwärtsverfolgung von Infektionsketten

Dunkelziffern aufgrund unvollständiger Entdeckung

Wirkungen der Lockdowns auf die Sterbezahl

Reproduktionszahlen und Anforderungen an die Intensivmedizin

Verlaufswege von Infektionen

Fatale Infektionsschübe für Deutschland

Sterblichkeit Infizierter nach Altersgruppen/nach Vorerkrankungen; ⮩ Übersterblichkeit

Aktuelle Statistik

Berufseinschränkungen und wirtschaftliche Ausfälle

Folgen der wirtschaftlichen Ausfälle

Folgen der dann ausbleibenden Nachfrage

Die (Nicht-)Nachholbarkeit verschiedener Wirtschaftsleistungen

Wirkung von Zuschüssen nach der eingeschränkten Produktion

Ausgelöste Verschiebungen der Sektorensalden

Staat und Freiheitsrechte

Ausblick

Zitierte Quellen

Wissenschaft first Keine fakes Keine Verschwörungstheorien Andock-Glykoprotein S E-Protein (bindet anden Golgi-Apparatder Wirts-zelle) Lipid-Hülle (wasserabweisend,stört das Immunsystem,verklumpt bei Desinfektion/Seife) RNA-Genom (genetischer Bauplan) > In Quarantäne Unerkannt infiziert Getestet infiziert Mit Symptomen Gestorben Geheilt (immun) Gefährlichkeit einiger Viren [nach 7]: Sterblichkeit 10% 5% SARS COVID-19 Pandemische Grippe Saisonale Grippe 01234r0 Reproduktionszahl Grundmodell exponentieller Ausbreitung: Fälle:12618Gesamt: 27 Modell reduzierter Kontakte (oder geringerer Ansteckungsgefahr): Fälle:1124Gesamt: 8 Infektions-Reihenfolge Rückwärtsermittlung (r) und Vorwärtsverfolgung (v) von Infektionsketten¹,²: ¹) Animiert in einigen Browsern ²) aufgrund von Angaben Infizierter oder von ermittelten Kontakten r v v v r v v v Erkannter Infizierter Beispiel mit Dunkelziffern aufgrund unvollständiger Entdeckung³: ³) Animiert in einigen Browsern r v Tests und Ermittlungen Aufgrund von Symptomen erkannt Unerkannte Fälle:12515Gesamt: 23 (Dies ist nur ein logisches Beispiel und erlaubt keine Abschätzung, wie hoch die Dunkelziffer in der Realität ist.) am 29.5. 1,3 1,2 1,1 0,9 0,8 0,7 Wirkungen der Lockdowns auf die Sterbezahl Eine britische Studie[9] von Ende März 2020 versucht, die Wirkungen der bis dahin in mehre-ren europäischen Ländern angeordneten Maßnahmen (wie Isolierung der Fälle, Schließung von Schulen und Universitäten, Ansammlungs- und Veranstaltungsverbot, Einschränkung so-zialer Kontakte, Abstandsregeln) in einem teils mechanischen, teils empirischen Modell aus-zuwerten. Demnach wurden in diesen Ländern bis zum 28.3.2020 — als Folge der Maßnah-men bis Mitte März — wohl schon 59000 Tote verhindert (zwischen 21000 und 120000). Bereich „natürlicher” Reproduktionszahlen r0 (d.h. ohne die einschränkenden Maßnahmen) 3,3 3,0 2,4 2,0 0 re= 1,0 Benötigte Intensivplätze 32530Kapazitätsgrenzeam 13.5.260001300065000 Mai '20 Juli '20 August '20 November '20 Ausgangszahl 20373 ! Verschiedene „Karriere”-Wege einer Infektion: unerkanntgestorben in Quarantäne Verdacht14 Tage nicht infiziert in Quarantäne getestet,infiziert mitSymptomen geheilt (immun) Da ein frisch Infizierter nicht sofort auf einen Test anspricht, wird eine Corona-verdächtigtePerson zunächst in Quarantäne genommen. Schlägt der Test auch nach 14 Tagen nicht an,so gilt die Person als nicht infiziert. Weist ein Test die Infektion entweder innerhalb der 14Tage Quarantäne oder direkt bei einer bisher unverdächtigen Person nach, gilt sie als getes-tet infiziert. Brechen die Symptome aus, kommt sie in isolierte medizinische Behandlung.Irgendwann verstirbt die Person entweder — oder sie kann als geheilt entlassen werden.Dann ist sie immun und nicht mehr infektiös. Fa. Webastoin Stockdorf ab 27.1. Hier waren dieInfektionskettennoch zu verfolgen. Karneval in Gangelt/Kreis Heinsberg am 15.2. Ab hier hätten umfangreiche Testsder Heinsberger und dann der Ge-samtbevölkerung beginnen müssen(wie in Südkorea, WHO-Empfehlung). Pferdezucht-Treffenin Neustadt/Dosse am 2.3. Über 3000 Kontakte, auchins Reit-Internat. Skiurlaub inIschgl/Tirol am 7.3. Rund 200 Deutschemit Reisebussen inIschgl. Keine Sper-re beim après-Ski. Pflegeheimin Würzburg ab 12.3. 12 Senioren tot. 44Senioren u. 32 Mit-arbeiter positiv ge-testet. 161 Isolierte. Fatale Infektionsschübe für Deutschland: nach Altersgruppen[14] Jahre:  0-910-1920-2930-3940-4950-5960-6970-79üb.80 15%10%5%0% 3,8%8,5%15,0% nach Vorerkrankungen[15] Herz-Kreis-DiabetesBluthoch-Atemwegs-Krebs lauf-Erkra.druckErkrankg. 13,2%9,2%8,4%8,0%7,6% Sterblichkeit Infizierter (in China) „Schon jetzt deutet sich an, dass mehr Menschen, als eigentlich zu erwarten wären,sterben.”[16] „Ab der 13. Kalenderwoche liegen die Sterbefälle” in Deutschland „überdem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Seit der 14. Kalenderwoche werden sogardie Zahlen des” grippestarken „Jahres 2018 übertroffen”. Das widerlegt die These,alle „Corona-Toten” wären sowieso innerhalb des nächsten halben Jahres gestorben. Tage Tage #cstay 31 1741 k 29 us 13 438 k 13 br 16 388 k 15 ru 31 273 k 33 uk 50 239 k 43 es 50 232 k 46 it 46 187 k 40 fr 48 183 k 35 de 14 174 k 15 in 35 162 k 32 tr 43 147 k 46 ir 29 91 k 22 ca 102 84 k 91 cn 40 58 k 36 be 42 46 k 38 nl 26 36 k 30 se 53 31 k 41 ch 55 17 k au 79 11 k kr Süd-Korea Stand: Fr, 29.5., abends Investitionsgüter-Produktion VerloreneProduktion Maschinen, Ersatzteile, Vorprodukte, Betriebsstoffe Zwischen-lager Produktion/Leistungen zum Konsum VerloreneProduktion VerordneterAusfall Industrielle, bergmännische und landwirtschaftli-che Produktion, Dienstleistungen mit: kulturellenund sportlichen Events, Reisen, Gastronomie, Lä-den, Verleih, Vermietung, Versicherung, Banken, … Verkaufs-lager Nur die lagerfä-higen Produkte Konsum ! ErzwungenerKonsumverzicht Kaufkraft für Käufe, Buchungen, Eintrittskarten, usw. Prognosen des ausgelösten wirtschaftlichen Rückgangs: McKinsey: minus 15Mrd. € pro Woche [24] -0[24]-100% [24] McKinsey: BIP = -25% aktuell! [21][22]J.P. Morgan: Eurozonen-BIP -15% in I/20 und -22% in II/20 [26][25][23] Nach WTO müsste der durchschnittliche Bürger in 2020 auf einSiebtel bis ein Drittel seines bisherigen Konsums verzichten! Inhaber:Auflösung vonRücklagen Inhaber:Staatlich geförder-ter Bank-Kredit Inhaber:DirekterZuschuss Inhaber:Insolvenz,Sozialhilfe Beschäftigter:Entlassung, Ar-beitslosengeld Beschäftigter:Kurzarbeit undKurzarbeitsgeld SelbstständigeDienstleister:Kein Einkommen,aber lfd. Kosten Handwerker:Kaum Aufträge,kaum Einkommen,kaum nachholbar Veranstalter: Zwarteilw. neues Gutschein-recht statt Erstattung,aber Nachholkosten MittelständischesGewerbe: Zu hohePersonalkosten, Pro-duktion nachholbar? Industrielle Produk-tion: Hohe Personalko-sten, Produktionsstopp,aber teurer nachholbar Banken: Auszahlungen Banken: Kredite Staatshilfe, Umverteilung Arbeitslosenversicherung Forscher vom Institut für Arbeits-markt- und Berufsforschung (IAB)haben berechnet, „dass jeder Tagvon wirtschaftlichen Schließungenbzw. Ausgangsbeschränkungen dieArbeitslosigkeit” um etwa 28000erhöht hat[27]. Das liegt auch daran,dass es neben „einer Zunahme vonEntlassungen auch zu einem deut-deutlichen Rückgang der Neuein-stellungen” kommt. Als besondere Eulenspiegeleiwird einer Branche ohne Umsätzedie halbe Umsatzsteuer erlassen. Phase der ProduktionsverbotePhase nach Produktionsfreigabe Nachholbar: Anteil am BIP 32%68% Nicht erlaubte Güterproduktion Zusätzliche GüterproduktionDie übliche Güterproduktion Nicht erlaubte Dienstleistungen(dazu zählen Reisen, Friseure, kulturelle u.sportliche Events, Gastronomie, Läden, …) Nur die üblichen Dienstleistungen(die Ausfälle sind nicht nachholbar) (Dies ist eine idealtypische Darstellung. In der Realität sind die Abgrenzungen weniger scharf.) G.D. Lockdown: Erlaubte Gü-terproduktion Güterproduk-tionsausfall Zeitweise untersagte, nichtnachholbare Dienstleistungen Erlaubte/nachholba-re Dienstleistungen Kaufkraftneutra-le Einnahmen: aus Konsum aus Konsum empfohlen: empfohlen: Indirekte Umverteilung:(per Geldmengen-Inflation) aus Kredit aus direktem Staatszuschuss NormaleEinnahmen: Förder-mittel: G.D. Umlaufende GeldmengeGesamt-Kaufkraft}100% G. D. H. S. Ex-Im Geldvermögen(Forderungen)Schulden 00 UnternehmenPrivathaushalteStaatAusland }Salden-Gewinn* }Extrasparenin Anleihen? oder? }Entsparen/ Neu-Ver-schuldung? }Neu-Ver-schuldung }Export mi-nus Importverringert(sinkende Neu-Verschuldungdes Auslands) *) Salden-Gewinn = Intersektor-Umsatz - Lohnkosten,  wobeiIntersektor-Umsatz = Gesamtumsatz - Gewinn-Ausschüttungen aus Vorperioden - Netto-Investitionen aus Vorperioden [siehe 27] Gesundheit,Menschenleben Freiheit, Grundrechte,Selbstbestimmtheit Arbeitslosigkeit, Armut,Insolvenz, Rezession Beschäftigung, Wohlstand,Leben in Würde, Konjunktur Gebote zum Schutz der Bevölkerung,Gemeinschaftsinteresse, Regeleinhaltung Kollaps des Gesundheitssystems,Menschenopfer (Triage)

Epidemiologen rechnen mit schubweisen Beschleunigungen lokaler Anhäufungen zunächst unentdeckter Infektionsketten und der Mathematik exponentieller Verbreitungen, die wir nicht aus der Alltagserfahrung gewohnt sind. Die Modelle enden damit, dass sich am Ende bei einer Rate von etwa zwei Dritteln der Bevölkerung (60-70%) an infiziert Gewese­nen und damit Immunisierten die Epidemie totläuft. Doch was geschieht in dieser Zeit?

I. Reaktion wie bei einer Grippe-Epidemie?

Manche Zir­kel argumentieren gegen eine angebliche „Panikmache”, dass tatsächlich die Krankheit bei 80% der Infizierten — vor allem den Jüngeren — mit kaum merkba­ren Symptomen oder wie bei einer normalen Grippe verlaufe.  Doch es gibt Unterschiede[1]:

COVID-19 (neues Coronavirus SARS-CoV-2) Grippe (Influenza) Erkältung
Vor allem in Risikogruppen (Alte, Vorer-
krankte) viel schwerer/tödlicher (r0>2).
~15% der Infizierten brauchen Sauer-
stoff, ~5% sogar künstliche Beatmung.
Kann bis zu 25000 Tote im Jahr
fordern (Frühjahr 2018).
Als Spanische Grippe forderte sie
1918–1920 sogar ~48 Mio.Tote.
Selten tödlich
 
 
Infizierte: evtl. symptomfrei bzw. Sympto-
me erst später, aber schon ansteckend
Schlagartiger Beginn
 
Beginn allmählich
 
Schwitzen, (kein Heu-)Schnupfen, Niesen,
Kurzatmigkeit, Halsschmerzen möglich
Schnupfen selten
 
Schnupfen+Niesen,
Halsschmerzen
Trockener Husten möglich Trockener Husten möglich Reizhusten, heiser
Gliederschmerzen eher selten Kopf-/Gliederschmerzen möglich   —
Fieber, Schwäche, Müdigk., Hunger mögl. Fieber, Schwäche, Müdigkeit mögl.   —
Geschmacks- und Geruchssinn gemindert Wenig Geschmacks-/Geruchssinn   —
Sehr infektiös durch Tröpfchen (Niesen,
Husten) und schwebende Aerosole (Singen)
Moderat infektiös, übertragen durch
Tröpfchen, Anhaftung an Flächen
  —
Zugelassener Impfstoff wohl erst 2021;
vorher evtl. Mittel auf Antikörper-Basis
Jährlich neu angepasste Impfstoffe
wirken zu 15% (17/18) bis 78%[2]
Hustenlöser
 
Geheilte bleiben unbekannte Zeit immun Geimpfte/Geheilte saisonal immun   —

style="display:inline-block;margin:auto;font-size:8px"> Pest-Arzt, 17. Jahrhundert Teilweise nach [3] Mit dem S-Protein „dockt das Virus an den sogenann-ten ACE2-Rezeptor der menschlichen Zellen an undkann dann durch die Zellmembran in die Zelle eindrin-gen”[4]. Mehrere Forscherteams mit dem HauptautorWaradon Sungnak vom Wellcome Sanger Institute fan-den heraus, welche Zellen die Andockproteine TMPRSS2und ACE2 enthalten: Es sind zum einen die schleim-produzierenden Becherzellen und Flimmerzellen in derNase und auch die Hornhaut-Zellen des Auges.[5]

Vorläufige Forschungsergebnisse von Rechtsmedizinern an der Uni-Klinik Hamburg-Eppen­dorf lassen vermuten, dass Thrombosen und Lungenembolien verstärkt werden können[6].

Sie fanden „das Lungengewebe in beiden Lungenflügeln durch schwere Entzündungspro­zesse stark verändert. Der Übergang von Sauerstoff ins Blut war” eingeschränkt und „be­einträchtigt die Atmung und kann … Atemnot verursachen.” Blutver­dünner könnten helfen. 7 der 12 Obduzierten hatten eine unent­deckte „tiefe Venenthrom­bose in beiden Beinen”.

II. „Weißbluten” der Bevölkerung als Strategie?

Eine politische Strategie, welche die Regierung Boris Johnson in Großbritannien zeitweise zu verfolgen schien, besteht im Anstreben einer „Herden-Immunität” durch Beibehaltung der gewohnten sozialen Kontakte mit Inkaufnahme auch der schwersten Erkrankungen mit Todesfolge, „bis kein Blut mehr fließt”, also bis die überle­bende Bevölke­rung „durchimmu­nisiert” ist. Vorteile: Schnellerer Verlauf und kaum Beeinträchti­gung der Wirtschaft. Aber Nachteil: Unzählige zusätzliche Tote auch durch Überlastung des Gesundheitswesens.

III. Entschleunigung der Ausbreitung durch Distanzbildung und -wahrung

Die Reproduktionszahl r0 („wieviele Andere steckt ein Infizierter durchschnittlich an?”) bil­det einen Maßstab für die normale Infektiosität eines Virus.

 

 

Annahme:Jeder Infizierte steckt in jeder einzelnen Phase genau 2 weitere Personen an (rP=2).

 

Annahme: Jeder Infizierte steckt in jeder Phase genau eine weitere Person an (rP=1).

 

Zeichenerklärung:

 

Annahme: In der vorangegangenen Phase wurde der Infizierte durch einen direkt Kontaktier-ten angesteckt und steckt in den nächsten Phasen die direkten Kontaktierten an.

Es ist klar, dass die praktische Nachverfolgbarkeit der Ketten durch die Gesundheitsämter ab einer gewissen Cluster-Größe bzw. Zahl verfügbarer Mitarbeiter kaum noch leistbar ist. Dies ist der Hintergrund der durch die Bundesländer vereinbarten „Notbremse” bei einer Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in den letzten 7 Tagen [8]. Manche hoffen auch auf eine noch zu entwickelnde Kontaktspeicher-App auf Smartphones.

 

Annahme: Erkennen eines – von bekanntem Infizierten aus – rückermittelten Infizierers unddes von diesem Angesteckten. Ein anderer Infizierter wird an Symptomen erkannt.

 

 

Variationen der Reproduktionszahl und Anforderungen an die Intensivmedizin: Annahme:Die Reproduktionszahl r0 zählt die durchschnittlich von einem Infizierten Ange-steckten. Die effektive Reproduktionsrate re kann durch Einschränkung sozialerKontakte, Abstands- und Hygieneregeln sowie Schutzmasken verringert werden.Eine Rate auch nur geringfügig über 1 führt zu einer jede Grenze überschreiten-den (exponentiellen) Zunahme. Jede Rate unter 1 führt dagegen zu einer expo-nentiellen (nicht linearen, Herr Spahn!) Abnahme und Ausklingen der Epidemie.Praktisch schwankt die Rate aber und bleibt nicht zuverlässig auf einem Niveau.

Eine tagesaktuelle Schätzung der Entwicklung der Reproduktionszahl zeigt [10] als Grafik.

Laut Modellen Berliner Mobilitätsforscher werden 10 Tage nach einer Normalisierung an Schulen und Kitas die Fallzahlen wieder stark steigen[11]. Der Virologe Alexander Kekulé warnt: „Insbesondere die Öffnung von Kindertagesstätten und Grund­schulen ist zwangs­läufig mit einer Zunahme der epidemischen Aktivität verbunden.” Die parallele Lockerung in Gastronomie und Einzelhandel sei ein „Wagnis”[12]. Auch die Helmholtz-Gemeinschaft fordert erst weitere Wochen Kontaktbeschränkungen und zusätzliche Tests, um die Repro­duktionszahl dauerhaft unter 1,0 zu halten[13]. „Die Herdenimmunität wird man unter Ein­haltung der Kapazi­täten des Gesundheitssystems erst in vielen Jahren erreichen.”

 

 

 

 

Übersterblichkeit

 

Bestätigte Fälle[17] und ihre Verdopplungsspannen[18a],sowie Gestorbene[17] und ihre Verdopplungsspannen[18b]:

(Die Fallzahlen sind kumulativ — enthalten also auch die bereits Geheilten)

Kontakt- oder Ausgangsbeschränkungen erlauben keine sichere Kali­brierung der Fallzah­len unter eine bestimmte Maximalhöhe (z.B. Zahl der Behandlungsplätze). Und die Wirkung geplan­ter Zusatzanstrengun­gen im System liegt fast nur im Prozentbereich:

• Personal: Umschulung in der Pflege, Reaktivierung ausgeschiedener Kräfte, Medizinstu­denten, Bundeswehr, auch mehr Laborkräfte für die Tests — gleichzeitig sinken die Per­sonalstärken durch zunehmende Infektionen des medizinischen/pflegerischen Personals;

• Material: Test-Sätze für alle, (teilweise private) Anfertigung von Atemschutz­masken, Produktion von weiteren Beat­mungsgeräten;

• Intensivplätze: Aufschieben der Behandlung anderer Fälle, Umwidmung anderer Räume.

Nötig wären — angesichts exponentieller Anforderungen — Verdopplungen oder Ver­drei­fachungen. 20373 Intensivplätze reichen kaum weiter als Italiens 5000. Laut DIVI sind von 32530 Intensivbetten aktuell 16593 (davon 936 beat­mete) belegt und 12157 frei[19]. Intensivärzte: „Das Problem ist eher der Mangel an Personal als an Geräten” [20]?

IV. Berufseinschränkungen und wirtschaftliche Ausfälle

Verbote oder Einschränkungen gibt/gab es nun für Veranstaltungen jedweder Art, Restau­rants, Non-food-Läden, Friseure, Clubs, usw.. Die wirtschaftlichen Folgen sind unabsehbar.

Schließungen von Schulen und Kindergärten zwingen Eltern zum Arbeitsverzicht, um ihre Kinder zu beaufsichtigen.

 

Folgen der wirtschaftlichen Ausfälle (mengenmäßig, real)

 

Folgen ausbleibender Einnahmen/fortlaufender Kosten (monetär)

 

Die (Nicht-)Nachholbarkeit verschiedener Wirtschaftsleistungen

Die Frage der Nachholbarkeit sollte der Maßstab für eventuelle staatliche Hilfen sein. Güterproduzenten können i. Allg. die ausgefallene Produktion nachholen und brauchen allenfalls Kredite zur Überbrückung. Wer durch weggebrochene Nachfrage nicht nachho­len kann oder nicht kreditwürdig ist, verliert seine wirtschaftliche Existenzberechtigung. Dienstleister, die termingebunden arbeiten, können (soweit sie kein Homeoffice nutzen) nicht nachholen. Ihnen ist mit Krediten nicht gedient: Sie brauchen echte Staatszuschüs­se. Ohne erhöhte Gesamtkonsum-Optionen (mangels Produktion) haben die Bürger ins­gesamt danach zwar mehr Geld in der Tasche, aber nicht mehr Kaufkraft (Geldillu­sion). Das bedeutet: Es gibt nur eine gigantische, aber immerhin systematische Umvertei­lung.

In der Folge der Einkommens- und somit Nachfrageausfälle werden im Wirtschaftskreislauf weitere Konsumsenkungen erzeugt — das Wirtschaftsdebakel nimmt seinen Lauf.

 

Wirkung von Zuschüssen, nach der eingeschränkten Produktion Sich ergebende Verschiebungen bei Geldmenge und Kaufkraft:

Kredite und direkte staatliche Zuschüsse erhöhen die umlaufende Geldmenge und sorgen so für eine indirekte Umverteilung, um ruinöse Wirkungen des Lockdown abzumildern.

 

Ausgelöste Verschiebungen der Sektoren-Salden  (symbolisch)

Der Saldo aus Geldvermögen minus Schulden ist (zumindest global) immer 0. Durch die Krise brechen die Umsätze zwar stark ein, die Arbeitslosigkeit explodiert, aber der Unternehmenssektor kann einen Gesamtgewinn erzielen (mit Verschiebun­gen von den Dienstleistern zu den Güterproduzenten), weil vor allem die Staatsschul­den enorm zunehmen, während bei sinkendem Export — bei gleichzeitig sinkendem Import — der Außen­handelsüberschuss etwas sinkt (d.h. Neuschulden des Auslands nehmen ab). Die Geldvermögen der Privathaushalte könnten zwar durch Ersparnis-Auflösungen sin­ken, werden aber durch Kaufzurückhatung und Sparen in Staatsanleihen zunehmen.

Die Analyse des Ökonomen Branko Milanović: „Diese Krise lässt sich nicht mit der Steue­rung der Nachfrage lösen, noch nicht mal mit Geldpolitik wie zu Zeiten der letzten Finanz­krise. Es ist eine Krise auf beiden Seiten: der Angebots- und der Nachfrageseite.”[29]. Der Leistungsausfall kann nicht kompensiert und die fehlende Konsummöglichkeit i. Allg. nicht nachgeholt werden. Was nicht produziert ist, kann auch nicht konsumiert werden.

Das Keynes'sche Rezept eines Konjunkturprogramms durch Einspringen des Staates mit Aufträgen und folgendem Multiplikator (induzierte private Nachfrage) greift nicht, weil es nicht eigentlich an Aufträgen fehlt, sondern an der Produktionserlaubnis. Dienst­leistungen machen mehr als Zweidrittel der Wirtschaftsleistung (des Bruttoinlandspro­dukts) aus, und ihr nicht-nachholbarer Ausfall schafft eine fortwirkende Leistungs- und Nachfrage-Lücke.
Geldmäßige Maßnahmen wie Auflösung von Rückstellungen, Kredite oder Hilfen wie Zu­schüsse und Kurzarbeitsgeld verteilen die Summen nur um und/oder erhöhen das Preisni­veau. Wenig Nicht-Konsu­miertes kann länger eingela­gert werden. Staaten können nicht für spä­ter sparen (Staatsüber­schuss = kein Sparen, sondern Geld-/Leistungsver­nich­tung). Aktu­elle Staatsausgaben werden immer aus der lau­fenden Wirtschaftsleistung bestritten.

V. Staat und Freiheitsrechte

Auch Rauchverbote sind Beispiele lokal erlaubter Priorisierung des Gesundheitsgebots. Darf der demokratische Staat die Freizügigkeit oder den Ausgang beschränken, die Ver­sammlungsfreiheit auf zwei Personen begrenzen? Histori­sche Auseinandersetzung: Den staatlichen Bestrebungen zu einer Geschwindigkeitsbe­grenzung wurde bei uns die Forde­rung „Freie Fahrt für freie Bürger” entgegengestellt. Interessant ist, dass uns die ähnlich dogmatische Haltung in den USA zum Recht auf Waffen­tragen merkwürdig erscheint, wäh­rend den Amerikanern die Ablehnung einer Höchstge­schwindigkeit unverständlich ist.

Inzwischen gibt es in den meisten Ländern Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote. Eingriffe in Freizügigkeit oder Versammlungsfreiheit dürfen allerdings nur wegen schwerer Gefährdungen und nur vorübergehend gerechtfertigt sein.

VI. Ausblick

Uns stehen apokalyptische Zeiten bevor. Mißlingt das “FlattenTheCurve”, bleibt nur der Übergang zum Triage-System der Katastrophenmedizin (wie in Italien und Frankreich), das alle Patien­ten in drei Kategorien einteilt:

0 - Eine wenig aussichtsreiche oder aufwendige Behandlung wird nicht durchgeführt — nach schnell entscheidbaren Kriterien (z.B. Alter) oder nach Beratschlagung;

1 - Behandlung dringend geboten und aussichtsreich;

2 - Behandlung kann noch warten.

Klinisch behandelte Corona-Opfer können vernarbte Lungen behalten oder sterben einsam.

Hoffnung geben nur die Verbesserungen in Wuhan/Hubei, Süd-Korea, Italien und Spanien.

Die Politik steht vor einem unlösbar erscheinenden Zwiespalt:

• Etwa Zweidrittel der Bevöl­kerung müssen infiziert gewesen sein, ehe die Epide­mie durch „Herden-Immunisierung” erlischt.

• Die 15-20% gefährdeten Vorbelasteten oder Älteren dürfen sich nicht infi­zieren, weil ihnen Schlimmes droht („ständiges Gefühl des Ertrinkens”) mit häufiger Todesfolge.

• Eine Impfmöglichkeit wäre dringend erforderlich, wird aber wohl diese Epidemie­welle nicht mehr rechtzeitig erreichen.

• Die Abflachung oder Entschleunigung der Verbreitung durch Distanzwahrung und Kon­taktreduzierung hält das Gesundheitswesen zwar länger funktionsfähig, ver­schiebt das Problem aber nur, solange die Reproduktionszahl r0 nicht 1,0 deutlich unterschreitet.

• Diese Maßnahmen (Betätigungs- und Veranstaltungsverbote) schaden Wirt­schaft und sozialem Frieden und können in einem freiheitlichen Gemeinwesen nicht von Dauer sein.

 

Die drei Dimensionen der Zielkonflikte

Verschwörungstheorien? Die einzige Verschwörungstheorie, der ich glaube, ist die,  dass fast alle Verschwörungstheorien in Russland und in geringerem Maße in China erfun­den wurden[30]. Besonders dem hochprofessionellen Team in Moskau scheint es einen Heidenspaß zu machen, möglichst verrückte Theorien ins Internet zu lancieren und dann zu sehen, wie sie sich tatsächlich in den sozialen Medien verbreiten und geglaubt werden.

 


[2]) Celine Müller: „Wie gut schützte die Grippeimpfung 2018/19?”, Seite 2. DAZ.online der Deutschen Apotheker Zeitung, 8.10.2019.
[3]) WikipediA: “Structure of a SARSr-CoV virion”. en.wikipedia.org. Abgerufen am 3.5.2020.
[4]) Daniel Wrapp/Nadja Podbregar: „Bindungsprotein des neuen Coronavirus entschlüsselt”. wissenschaft.de, 19.2.2020.
[5]) „Forscher finden Einfallstor für Coronavirus”. ntv Wissen, vpe/dpa. 23.4.2020.  Quelle: Waradon Sungjak et al.: “SARS-CoV-2 entry factors are highly expressed in nasal epithelial cells together with innate immune genes”. Nature Medicine, 2020.
[6]) Lisa Vogel: „Covid-19 verursacht Thrombosen und Lungenembolien”. NetDoktor, 8.5.2020.
[7]) E. Callaway, D. Cyranoski, S. Mallapaty, E. Stoye, J. Tollefson: “The coronavirus pandemic in five powerful charts”. Grafik COVID-19 vs Other Diseases. nature, 18.3.2020.
[10]) Thomas Hotz, Stefan Heyder, Matthis Glock, Sebastian Semper / Alexander Krämer, Anne Böhle: „Monitoring der Ausbrei­tung von COVID-19 durch Schätzen der Reproduktionszahl im Verlauf der Zeit”. AG Stochastik, TU Ilmenau / Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld. 2020.
[11]) Roland Knauer: „Zehn Tage nach Schulöffnung schnellen die Patientenzahlen hoch”. DER TAGESSPIEGEL, 15.4.2020.
[12]) „Im Herbst droht ‚viraler Orkan’: Kekulé nennt Lockerungspläne ‚hochriskant’”. ntv/mba, 6.5.2020.
[13]) Prof. Michael Meyer-Hermann im Interview: „Helmholtz-Forscher erklärt an einer Zahl, warum strenge Corona-Regeln bleiben müssen”. DER TAGESSPIEGEL, 15.4.2020.
[14]) Julien Riou, Anthony Hauser, Michel J. Counotte, Christian L. Althaus: “Adjusted Age-specific Case Fatality Ratio During the COVID-19 Epidemic in Hubei, China, January and February 2020”. medRxiv preprint doi, Table I: Crude, 3.3.2020.
[15]) Rainer Radtke: „Sterblichkeitsrate des Coronavirus (COVID-19) nach Vorerkrankung im Februar 2020”. Statista.de. Letzte Veröffentlichung 10.3.2020.
[16]) Mathias Brandt: „Anzeichen für Übersterblichkeit verdichten sich”. Statista.de. 11.5.2020.
[17]) “COVID-19 Global Cases”. Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University. Abgerufen am 29.5.2020, abends.
[18]) Max Roser, Hannah Ritchie, Esteban Ortiz-Ospina, Joe Hasell: “Coronavirus Disease (COVID-19) — Statistics and Re­search”. [18a] Table “Global comparison: where are confirmed cases increasing most rapidly?”. [18b] Table “Global comparison: where are confirmed deaths increasing most rapidly?”. Our World in Data. Open Access. Stand 21.5.2020.
[19]) „Intensivregister — Öffentlich”, Länder-Tabelle, Summe. Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfall­medizin (DIVI). Abgerufen am 13.5.2020.
[21]) „Bundesregierung erwartet schwere Rezession”. stern, 29.4.2020.
[22]) “Assessing the Fallout From the Coronavirus Pandemic. Containing Coronavirus Triggers a Global Recession in the First Half of 2020”. J.P.Morgan Global, 23.3.2020. “Euro area GDP … with double-digit declines of 15% and 22% in the first and second quarters, …”.
[23]) „Welthandel könnte um bis zu ein Drittel einbrechen. WTO zu Corona-Folgen”. SPIEGEL Wirtschaft, 8.4.2020.
[24]) Alexander Jung: „Kollaps der Volkswirtschaft: Minus 15 Milliarden Euro pro Woche”. Prognose der Unternehmensberatung McKinsey. SPIEGEL Wirtschaft, 1.5.2020.
[25]) „Düstere Aussichten: DIHK rechnet mit schwerem Wirtschaftseinbruch”. dpa/Merkur.de, 19.5.2020.
[26]) „IW-Konjunkturprognose. Corona sorgt für katastrophalen Einbruch”. IW-Forschungsgruppe gesamtwirtschaftliche Analy­sen und Konjunktur, Pressemitteilung. 25.5.2020.
[27]) Anja Bauer, Enzo Weber: „Wie sich die Maßnahmen zur Corona-Eindämmung auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt haben”. MAKRONOM, 4.5.2020.
[28]) Brian Romanchuk: “Primer: The Kalecki Profit Equation (Part II)”. Bond Economics, 4.7.2018.
[29]) Branko Milanović (Interview durch Philip Faigle): „‚Die Angst ist das Problem’”. msn Nachrichten, 1.5.2020. Original: ZEIT online, 27.4.2020.
[30]) “EEAS Special Report Update: Short Assessment of Narratives and Disinformartion around the CoVid-19/Coronavirus Pandemic (Updated 2–22 April) ”. EU vs. DiSinNFO, 24.4.2020.

Oskar Fuhlrott,