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Gewinn-Ursachen

Woher kommen die Gewinne?

Gewinne aus der Unternehmenskultur

Gewinne auf Märkten

Neoklassik irrt schon bei Märkten

Der wahre Gesamtgewinn des Firmensektors

Gewinne aus der Unternehmenskultur

Folgende Eigenschaften zeichnen eine gewinnträchtige Firma aus:

• Rationalisierung, Digitalisierung, effiziente Organisation
ISO 9001 national/international zertifiziertes Qualitätsmanagement
• Forschung, Innovation, Diversifikation
• Kundenorientierung
• Einbeziehung der Mitarbeiter in die Zielsetzung
• Preisaufschlag auf kalkulierte Kosten
• Ausbeutung der Arbeitnehmer: Bezahlung unter Tarif, extrem kostenreduzier­te Arbeits­bedingun­gen, Schaffung von Abhängigkeiten

Gewinne auf Märkten

In der Konkurrenzsituation mit anderen Firmen am gleichen Markt hat eine Firma weitere Möglichkeiten:

• modernes Marketing
• effiziente Werbetechniken mit großer Reichweite
• Patente, Urheberrechte, Lizenzen, Warenzeichen- und Markenrechte
• Monopolverhalten
• Ausbeutung der abhängigen Firmen: Lieferanten, Kunden
• Bestechung, Erpressung, „Schutzgelder”, Werkspionage

Neoklassik irrt schon bei Märkten

Grundlage der neoklassischen Theorie in den heutigen Lehrbüchern sind die Axiome von E. Roy Weintraub (1985) im Zusammenhang mit einem allgemei­nen Gleichge­wicht, wie von Kakarot-Handtke wiedergegeben[1, übersetzt] als:

HC1: Wirtschaftsakteure haben Vorlieben für bestimmte Ergebnisse.
HC2: Die Akteure optimieren jeder für sich – und unter Begrenzungen.
HC3: Die Wahlakte der Akteure finden in verbundenen Märkten statt.
HC4: Die Akteure verfügen über volle relevante Informationen.
HC5: Die beobachtbaren Ergebnisse treten koordiniert auf und müssen hinsichtlich der Gleichgewichtszustände diskutiert werden.

Das Theorem[2] von Sonnenschein (1972), Mantel (1974) und Debreu (1974) be­weist, dass mikroökonomische Rationali­täts­annahmen zur Begründung der Neoklas­sik sowohl makroökonomisch als auch schon auf verbundenen Märkten nicht gelten. Das Nachfrage­gesetz (die Nach­frage nach einem Gut mit fallenden Preisen steige) kann nicht einmal von Individuen auf Märkte erweitert werden. Larry Motuz: Selbst für Individuen gilt es nicht mehr bei Überdenken der Bud­getentschei­dungen nach einer Preisänderung[3]. Aus­weg in den Lehr­büchern: Übertragung der Rationali­täts­axiome von Individu­en auf „reprä­senta­tive Akteu­re” mit „Durchschnitts­eigen­schaf­ten” — wissen­schaft­lich ein Offenba­rungs­eid.

Alan Kirman[4] hält das Basteln an immer wirklichkeitsfremderen neoklassi­schen Mo­dellen für eine Ursache der Überraschung bei der Finanzkrise von 2008. Wir soll­ten „die unrealis­tische individuelle Basis für gesamtwirt­schaft­liche Gescheh­nisse und die noch unsinnigere Annahme, dass die Gesamtwirt­schaft sich wie ein ‚rationa­les’ Individuum verhält, fallen lassen.” Die herr­schende Lehre hat durch ihr perma­nentes Igno­rieren von be­wiesenen Fak­ten nun (zum Jahreswechsel 2018/19) einen Auf­schrei von Öko­nomen provoziert gegen die „Kaperung der Lehre durch eine Sekte” (Chi­ca­goer Schule u.A., im erkennbaren Dauer-In­teresse der Finanzlobby) ge­führt[5]. Das neoklassische Para­digma muss ersetzt werden.


Der wahre Gesamtgewinn des Firmensektors

Die oben genannten Gründe haben Einfluss auf den relativen Gewinn der Firma, d.h. be­ein­flussen die Verteilung des Gesamtgewinns. Keiner (wirklich kei­ner!) der oben genann­ten Gründe hat Einfluss auf den Ge­samt­gewinn des Fir­mensektors. Kakarot-Handtke [6, über­setzt]:„Man beachte, dass GESAMT-Gewinn und folglich die Einkommensverteilung NICHTS zu tun hat mit Produktivität oder niedrigen Löhnen oder Marktmacht. Diese und andere Faktoren beeinflussen nur die VERTEILUNG des Gesamtgewinns UNTER den Fir­men”. Sie gelten nur einzel­wirtschaftlich. Das gilt auch für „… Arbeitsstun­den, Ausbeutung, Wettbe­werb, Innovation, Kapital, Macht, Gier, Auswahl, usw.” [7, über­setzt].

Alles Andere ist ein Trug­schluss, ein Denk­fehler (siehe dazu „Logik der Teile und Logik des Ganzen”). Die rea­len Größen Lohnsatz, Preisgestaltung, Produk­tivität und nachgefragte Arbeitsleistung beeinflussen zwar Einzel­gewin­ne, aber auf den mo­ne­tären Gesamtgewinn des Firmensektors sind sie ohne Ein­fluss[8].

Die Klassiker Adam Smith, David Ricardo bis Karl Marx nahmen an, die einzel­wirt­schaft­lichen Gewinnursachen würden auch gesamtwirtschaftlich gel­ten, und stellten verschiede­ne Detailerklärungen in den Mittelpunkt. Ricardo: „Was auch im­mer die Löhne der Arbei­ter steigert, vermindert die Gewinne der Aktien.”[9, über­setzt]  John May­nard Keynes wusste zwar, dass auch die Rück­wirkung der Einkom­men im Kreis­lauf auf den Konsum von Bedeu­tung war und hatte ein eigenes Kapitel über den profit in seiner General Theory vorgese­hen, bekam es aber nicht hin. Das ge­lang zwar Michał Kalecki (wie schon Jerome Levy[10]), aber sein Bild war den­noch schief, weil er fälschlich — wie üblich in seiner Zeit (bis heute) — den Gewinn als Ein­kom­men der Ka­pi­talisten sah. Erst die genaue Gesamt­rechnung durch Maurice Allais[11] zeigte, dass nur ausge­schütteter Ge­winn zu Ein­kommen wird — der Rest stärkt den Firmenwert. In der um eine Investi­tionsgüterproduktion erweiterten Wirt­schaft wan­dert er in die Inve­stiti­onen. Er kann damit nicht Fak­toreinkommen des Kapi­tals sein.

Kakarot-Handtke erklärt in [12] die wirklichen Ursa­chen des Ge­samt­gewinns des Firmen­sektors und dessen Verhältnis zu einzelwirt­schaftlichen Ge­win­nen. Die Ermittlung des Ge­samtgewinns ist ganz einfach: Wie in der Einzel­firma gilt: Gewinn = Ein­nah­men - Ausga­ben = Erlöse - Kosten =  Gesamtkon­sum - Lohnein­kommen (in der Reinen Kon­sum­wirtschaft; allgemein: Faktorkosten). Kakarot-Handtke: „… dass Gewinn Qm und ausge­schütteter Gewinn YD klar un­terschieden werden. Letzterer ist ein Fluss von Einkommen vom Firmen- an den Haushaltssektor analog zum Lohneinkommen. Dagegen ist der Ge­winn die Dif­ferenz von Flüssen innerhalb des Firmensektors. Gewinn ist nicht mit einem Faktoreinsatz verbunden.”[13, übersetzt]

Wie kann der Kon­sum im Geldkreislauf höher sein als das Lohneinkom­men? Damit Ge­winn auftritt, „muss der Haushaltssektor mindestens in einer Periode ein Defizit ma­chen. Dies wiederum macht den Einschluss des Finanzsektors unverzichtbar” zur Un­terstützung der begleitenden Kreditexpansion[14].

· + + + + * „Gewinn-Gesetz” YD ausgeschüttete Gewinne YGesamteinkommen ρE Konsumausgaben-Quote ? ρD Gewinnausschüttungsquote Qm monetärer Gesamtgewinn Qm ≡ -Sm Qm ≡ C-YW Sm ≡ YW-C YW Lohneinkommen = Kosten CVerkaufserlöse=Konsum -Sm monet. Entsparen/Verschulden Haush.

Äußere Vorgaben (durch Stellrad) sind Konsum-Quote ρE und Gewinnaus­schüt­tungs­quote ρD (Bezug zu ?). Das Ver­schulden anderer Sektoren -Sm leitet sich ab (negatives Sparen).

Nach den Formeln von Brian Romanchuk ([15] und [16]) für eine offene Volkswirtschaft mit Investitionen, Produktionsanlagen, Lager und einem Staatssektor ergibt sich:

Hilfsgröße Netto-Investitionen = Brutto-Anlageninvestitionen - Abschreibungen + neue Lager-Investitionen - Wert der aus dem Lager verkauften Waren

Gesamtgewinn = Netto-Investitionen + Gewinnaus­schüttungen - Sparen der Pri­vathaushalte + Staatsdefizit + Netto-Exportüberschuss

Die Gesamtgewinn-steigernde Wirkung einzelner Größen laut EKH[17]:

• Investitionen haben großen Einfluss (siehe Details im Beitrag über Wachstum, Investiti­onen und Gesamtgewinn).

• Hohe Konsumausgaben (kein Sparen, eher zunehmendes Verschulden durch Kon­su­men­ten­kredi­te) fördern den Gesamtgewinn.

• Zunehmende Staatsdefizite (Staatsverschuldung) oder Exportüberschüsse (zuneh­mende Verschuldung des Auslands) fördern den Gesamtgewinn.

• Hohe Gewinnausschüttung an Anteilsberechtigte erhöht den Gesamt­gewinn.

Die nicht zu leugnenden unterschiedlichen ein­zel­wirt­schaftlichen Gewin­ne sind lediglich „re­la­tive Ge­winne”, die nur die Ergebnisse unter den Fir­men vertei­len.

Die Definition der Stell­größe ρD als Relation der ausge­schütteten Gewinne YD zum Lohnein­kom­men YW überzeugt nicht. Es muss doch erst ein Ge­samt­ge­winn ent­ste­hen. Eine Rela­tion zum Gesamt­gewinn Qm wäre plau­sib­ler. Das Be­schränken nicht-systemi­scher Ein­flüsse auf ein­stell­bare An­teils­wer­te reicht wohl nicht aus. Manchmal wird weitere Theorie für exter­ne Ein­flüsse ge­braucht.

Joseph L. McCauley ([19], übersetzt):

Das einst wissenschaftliche neoklassische Modell „wurde falsifiziert. Was jetzt als öko­no­mische Standardtheorie gelehrt wird, wird schließlich verschwinden, keine Spur wird übrig bleiben in den Universitäten und Tagungsräumen, weil es schlicht nicht funktioniert: wäre es ein Ingenieurbau, würde die Brücke einstürzen”.


[1]) Kommentar von Egmont Kakarot-Handtke: „Microfoundations R.I.P.”. In Simon Wren-Lewis: “Why the micro­foundations hegemony holds back macroeconomic progress”. Blog mainly macro, 6.1.(11.1.)2018.
[2]) INFOGALACTIC: “Sonnenschein–Mantel–Debreu theorem”. 29.12.2015.
[3]) Larry Motuz: Kommentare in [5], 1.1. und 3.1.2019.
[4]) Alan Kirman: “The Economic Crisis is a Crisis for Economic Theory”. CESifo Economic Studies, 56(4/2010).
[5]) Lars Syll: “Teaching of economics — captured by a small and dangerous sect”. Real-World Economics Review Blog, 25.12.2018.
[6]) Egmont Kakarot-Handtke: “Iatrogenic economics”. Kommentar in Jared Bernstein: “Do economists understand economies?”, On The Economy Blog, 22.6.2016.
[7]) Egmont Kakarot-Handtke: “@Roger Sparks”. Kommentar in Brian Romanchuk: “Primer: The Kalecki Profit Equation (Part II)”, Bond Economics, 10.7.2018.
[8]) Egmont Kakarot-Handtke: “Fatal defects of profit and market theory”. Kommentar in Menzie Chinn: “Thinking about Wages, Inflation and Productivity… and Capital’s Share”, Blog Econbrowser, 8.6.2016.
[9]) Sandwichman: “No Other Way of Keeping Profits Up”. Econospeak Blog, 14.2.2018.
[10]) S. Jay Levy: “Profits: The Views of Jerome Levy and Michal Kalecki ”. Working Paper No. 309, Jerome Levy Economics Institute, August, 2000.
[11]) Maurice Allais: “Les Fondements Comptables de la Macro-Économique”. 2e edition. Presses Uni­versi­taires de France, 1993. Zitiert in Egmont Kakarot-Handtke: “Axiomatic Basics of e-Economics” Munich Personal RePEc Archive, MPRA_paper_24978.pdf, 2010.
[12]) Egmont Kakarot-Handtke: „Ricardo, too, got profit theory wrong. Sad!” Comment on [8], 14.2.2018.
[13]) Egmont Kakarot-Handtke: “Schumpeter and the essence of profit”. MPRA Paper 32318 / SSRN 1845771. 29.5.2011/Revised 25.5.2015.
[14]) Egmont Kakarot-Handtke: “Squaring the investment cycle”. MPRA Paper 33442 / SSRN-id1911796. 18.8.2011/Revised: 8.6.2014.
[15]) Brian Romanchuk: “Primer: The Kalecki Profit Equation (Part I)”. Bond Economics, 27.6.2018.
[16]) Brian Romanchuk: “Primer: The Kalecki Profit Equation (Part II)”. Bond Economics, 4.7.2018.
[17]) Egmont Kakarot-Handtke: “Have data, lack theory”. Kommentar in David Ruccio: “Why is slow growth a problem?”, Blog occasional links & commentary, 11.2.2016.
[18]) Egmont Kakarot-Handtke: “Major Defects of the Market Economy ”. MPRA Paper 65666 / SSRN-. 17.7.2015.
[19]) Joseph L. McCauley: “Response to ‘Worrying Trends in Econophysics’ ”. Physica A, Statistical Mechanics and its Applications, Volume 371, Issue 2, 2006; pp. 601-609.

 Oskar Fuhlrott,